{"id":3122,"date":"2015-06-08T09:36:35","date_gmt":"2015-06-08T16:36:35","guid":{"rendered":"http:\/\/alteritas.net\/GXL\/?page_id=3122"},"modified":"2025-03-12T22:43:03","modified_gmt":"2025-03-13T05:43:03","slug":"zwei-texte-auf-deutsch","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/alteritas.net\/GXL\/?page_id=3122","title":{"rendered":"Schlafsofa"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">H\u00e4tte der Plan meiner Freundin Michaela geklappt, w\u00fcrde ich mich w\u00e4hrend meines Aufenthaltes in Wien zu Weihnachten 1972 in ihr Schwesterlein Bettina verknallt haben. In diesem Fall w\u00fcrde ich selbst in aller \u00d6ffentlichkeit um sie getrauert haben, aber als Schwager, und nicht blo\u00df als objektiver, emotionsloser Zuschauer, als der ich n\u00e4mlich sp\u00e4ter, nachdem sie fr\u00fchzeitig an Brustkrebs gestorben war, ihrer Beerdigung beiwohnte. Besessen von ihrer atemberaubenden Sch\u00f6nheit \u2014 tats\u00e4chlich wohnte sie damals in Paris, um ihre Karriere als Mannequin voran zu treiben \u2014 k\u00fcmmerte sich Michaela obsessiv um das Liebesleben ihrer kleinen Schwester. Diese Manie war allem Anschein nach ein Ersatz f\u00fcr etwas, nach dem sie sich sehnte, was sie sich aber \u00fcberhaupt nicht erlauben konnte. Keine Chance hatte ich, der ich ganz ohne Aussichten in das Rennen f\u00fcr die Zuneigung der \u00e4lteren Schwester ging. Ihr Lebens- und Arbeitsmilieu hatte ihr eine harte Lehre erteilt. Bemerkenswerte Sch\u00f6nheit ist eine Ware, die man nicht beil\u00e4ufig verschwenden darf. Anders gesagt, sie ist eine B\u00fcrde, f\u00fcr welche eine so belastete Dame sich freigiebig aufopfern muss. Das Schwesterlein litt laut Michaela nicht unter der ausweglosen Schuld dieser \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Sch\u00f6nheit, ungeachtet dessen, da\u00df Bettina auf den Fotos eine eindeutige \u00c4hnlichkeit zu ihrer unerreichbaren Schwester aufwies. Auch war Bettina ohne Aussichten, um es mal so zu sagen, und verbrachte \u2013 wie auch ich \u2013 ihre Zeit fast ausschlie\u00dflich mit Gedichten und Romanen. Als daher Michaela mir vorgeschlagen hatte, \u00fcber die Weihnachtsfeiertage von Paris nach Wien zu reisen, um Nutznie\u00dfer der Gastfreundlichkeit ihrer Schwester zu sein, begann ich mir eine sehr erotische, aber auch literarische Fantasiewelt vorzustellen. Paris war mir sowieso langweilig gewesen. Gleich als ich das Geld bekam, l\u00f6ste ich den Fahrschein. Dann bezahlte ich vorsichtig eine Monatsmiete im Voraus. Alles was ich besa\u00df und behalten wollte, packte ich in meinen Reisekoffer, welchen ich in einer Ecke meines Wohnklos abstellte, falls ich ihn sp\u00e4ter einmal nach Wien nachschicken lassen w\u00fcrde. Was blieb, habe ich weggeworfen, aber wie alle Menschen in meiner Nachtbarschaft habe ich diese sch\u00e4bigen G\u00fcter mitten in der Nacht auf dem Trottoir heimlich hinterlegt. Fr\u00fch am Morgen nahm ich dann die Metr\u00f3 nach der Gare de l\u2019Est, um die vierundzwanzig Stunden Fahrt zu unternehmen, meinen Rucksack beschwert mit den B\u00fcchern, die, wie ich hoffte, mir bei der z\u00e4rtlichen Verf\u00fchrung der Bettina helfen w\u00fcrden. Jedenfalls sind die von mir und auch die von Michaela unausgesprochenen, aber beidseitig anerkannten Absichten, geplatzt. Eine Woche bevor ich am Bahnsteig des Westbahnhofs ausstieg, hatte sich Bettina wahnsinnig Hals \u00fcber Kopf in einen jungen Dichter aus S\u00fcdtirol verliebt, der nach Wien gekommen war, um Hochdeutsch zu lernen. Nach zwanzig Jahren habe ich ihn aus der Ferne beim Begr\u00e4bnis der Michaela erhascht \u2013 mit einem ergrauten Bart, glattsk\u00f6pfig, und mit einer kleiner Wampe. Vermutlich hat er mich nicht erkannt, ein f\u00fcr ihn nur franz\u00f6sischsprechender Unbekannter, der unbehagliche zwei N\u00e4chte lang z\u00e4hneknirschend und mit von Polstern verborgenen Ohren in der entferntesten Ecke des eingeschr\u00e4nkten Raumes, den ich mit den beiden Geliebten teilen mu\u00dfte, verbrachte. Ihrer Schwester verpflichtet, mu\u00dfte Bettina mich doch gn\u00e4digerweise empfangen. So hat sie mir, so schnell wie irgendm\u00f6glich, ein Schlafsofa in einer nahe gelegenen Wohngemeinschaft gefunden. Hier beginnt meine Geschichte.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"page_3122\"  data-site_id=\"56b78e2ba4c688a2131dca0b\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/alteritas.net\/GXL\/?page_id=3122\"  data-item_title=\"Schlafsofa\"  data-item_date=\"2015-06-08T09:36:35-07:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.59\"  data-prx=\"https:\/\/alteritas.net\/GXL\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4tte der Plan meiner Freundin Michaela geklappt, w\u00fcrde ich mich w\u00e4hrend meines Aufenthaltes in Wien zu Weihnachten 1972 in ihr Schwesterlein Bettina verknallt haben. 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