Die Demenz

Gewöhnlich mutmaßt man, dass der Verlust des kurzfristigen episodischen oder autobiographischen Gedächtnisses, der das Greisenalter begleitet, Symptom einer allmählichen, durchgängigen Störung des Gehirns sei. Wie überall in dem älterwerdenden, zunehmend schwergängigen Leib, verlieren die Synapsen ihre Anpassungsfähigkeit. Notwendige Nährstoffe erreichen die Neuronen nicht, die demzufolge nicht mehr die Übertragung der erforderlichen Botschaften gewährleisten können. Die synaptische Effizienz neuronaler Netze nimmt ab. Die Episoden, Ereignisse und Tatsachen aus unserem eigenen Leben werden nicht wie bisher in Form von Gedächtnisspuren in den Verbindungen der Nervenzellen niedergelegt. So speichert der Einzelne wohl, sobald er in die Küche eintritt, nur mit Schwierigkeiten ab, wohin er gehen wollte, wie auch warum er diesen Schritt unternahm. Der Name, der mit einem gegebenen Gesicht verbunden werden soll, verflüchtigt sich. Das Weiter in einem Und-So-Weiter führt nirgendwohin. Fest bleiben nur die ausgetretenen Pfade, die in eine immer und ewig abgelegene Vergangenheit leiten, Arten von viae romanae, auf denen wir nachträglich Landstraßen errichten lassen – denn wir kennen diese Wege. Aber dieses vorhergehende Bauwerk basiert, trotz seiner elektrochemischen Verbrämung, auf einer unausgesprochenen metaphorischen Begründung, deren Subtext offensichtlich organisch ist, abgebildet nach einem Lebenszyklus, welcher der Sprache der Blumen entliehen worden ist. Logisch genug. In der Tat ist der Mensch ein lebendiges, der Zeitlichkeit unterworfenes Geschöpf, das in einem Moment geboren ist und sodann eine gewisse Zeitlang lebt und erlebt. Wenn kein Unglück geschieht, stirbt er langsam, da seine Lebenskraft schrittweise abgeschliffen wird, sobald er zu reif geworden ist. Es soll natürlich nach diesem Muster ein Höhepunkt entstehen, bei dem alle Umstände optimal funktionieren. Vor diesem idealisierten Moment ist das System nicht völlig entwickelt. Danach ist es gestört und im Zerfall begriffen. Wie wäre es jedoch, wenn wir annehmen würden, dass dieser Höhepunkt nur ein imaginäres Produkt unserer Denkmuster ist? Warum hat die Natur so einen Zustand erzeugt, in dem man die tägliche Lebenswirklichkeit nicht wahrnehmen kann, Belanglosigkeitsschwärme aber, die man vor langer Zeit durchlebt hat, fast mühelos zurückzurufen imstande ist? Könnten wir da nicht eine unerwartete Zärtlichkeit seitens des Universums für den Menschen erwarten, derart, daß, statt der Wirklichkeit unseres bevorstehenden Todes, unser Bewusstsein sich auf die Zeit richtet, in welcher wir höchst lebendig waren? Ist es außerdem nicht der Fall, dass dieser neuropsychologische Apparat hilft, uns von dem Leben, das wir naturgemäß schnell hinter uns lassen werden, loszulösen?

My first text in German. With thanks to Anonymous (see photo below), who did the final editing.

Ars poetica

We went to spot a trogon
And I began to hum,
Picking paces down a path
Greater than their sum.

Milky lime, the river,
Sometimes smoky jade;
In the brush, bromeliads;
Red orchids in the shade.

Cawing to the trogon
As if we knew his sound,
We surely drove him farther
To the dim background

Where flashes off the river
Flitted with the breeze
And likenesses of birds
Flocked behind the trees.

At length we reached
The ambit of a murmur
First confused. From hush
There rose up whispers, firmer

Round each bend, until
We knew a roaring
Falls could best explain
The din, though its pouring

As it filled the pool came
To form a quiet cove,
A hollowed cell recessed
Within the tangle of the grove.

I looked up through
The rainbow spray where
My creature should have been,
Emerald scarlet in the air,

Thoughts of ruby green.
The water’s plunge made the bluff
Beside it soar, but no bird
Perched up in that rough.

Mine remained the rarest,
One that’s never flown.
The echo of his dearth
Is for my ears alone.

[revised version]